klik – klima konzept 2030

Heinke Gier

Vorsitzende des Personalrats

Interview

„Die Uni hat schon einige Erfolge vorzuweisen. Doch wir sollten nicht nachlassen unsere Umwelt zu schützen.“

Heinke Gier

Nach der Ausbildung als Technische Assistentin bei der Bundesanstalt für Milchforschung (heute: Max Rubner-Institut) begann Frau Gier in den 1980er Jahren ihre Tätigkeit bei der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) am Institut für Organische Chemie. Nach Tätigkeiten bei anderen Arbeitgebern wurde sie 1997 erneut für die CAU tätig, dieses Mal im Leibniz-Institut für Altersbestimmung und Isotopenforschung. Seit 2011 ist Frau Gier Mitglied des Personalrats, den sie seit 2015 als Vorsitzende leitet und seit Juli 2018 ist sie stellvertretende Vorsitzende des Akademischen und des Erweiterten Senates der CAU.

klik 2030: Frau Gier, inwieweit kommen Sie als Vorsitzende des Personalrats Technik und Verwaltung der CAU mit den Aktivitäten zum Umwelt- und Klimaschutz in Berührung?

Frau Gier: Wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter einen Betriebsunfall hatte oder wenn gesundheitliche Beschwerden aufkommen, erfahren wir im Personalrat davon. Manchmal ist die Ursache, dass eine vorhandene Schutzausrüstung, wie die Schutzbrille, nicht benutzt wurde. Solche Schutzmaßnahmen sind wichtig. Die kann man nicht nur nach Lust und Laune nutzen. Institutsleitungen müssen unbedingt darauf achten, dass alle in Laboren arbeitende Personen, Beschäftigte inklusive Studierende, die Vorschriften kennen und einhalten. Es kommt aber auch vor, dass ein Laborabzug nicht funktioniert und so Übelkeit oder andere Beschwerden aufkommen. Gemessen an den Zuständen in den 1980er Jahren sind wir heute allerdings auf einem sehr guten Weg. Früher wurde erheblich weniger auf Gesundheitsgefahren geachtet. Das hat sicher auch etwas mit der guten Arbeit der Sicherheitsingenieurin/Sicherheitsingenieur zu tun. Jetzt ist das Wissen über die Gefahren und über mögliche Alternativen breiter gestreut. Die Entsorgung von Chemikalien zum Beispiel funktioniert heute erheblich besser als früher. Dennoch gibt es noch Verbesserungsmöglichkeiten, wie das systematische Absaugen allergener Feinstäube unter Absauganlagen. Jene, die Missstände wahrnehmen oder jene, die sie gar betreffen, müssen unbedingt eine Verbesserung einfordern. Auch wenn es manchmal sehr sehr lange dauert, bis etwas geschieht.

klik 2030: Während der anfänglichen Diskussionen um ein umweltverträgliches Mobilitätskonzepts für die CAU gab es viele Kolleginnen und Kollegen, die die Einführung einer Parkplatzgebühr für ihren Pkw befürchteten. Wie steht die Belegschaft Ihrer Meinung nach heute dazu?

Frau Gier: Ja, zu Anfang beherrschte die Angst vor Parkgebühren die Diskussion. Auch heute sind Parkgebühren unter der Belegschaft noch nicht akzeptiert. Allerdings wird durch die vielen Bautätigkeiten der Parkraum immer knapper. Nur diejenigen, die früh anfangen zu arbeiten, bekommen einen Parkplatz. Jene, die z.B. zuerst ihre Kinder versorgen und in den Kindergarten bringen müssen, haben das Nachsehen. Das ist nicht gerecht. Schleswig-Holstein ist ein Flächenland und viele Beschäftigte kommen aus dem Umland. Wie sollen sie denn zur Uni kommen, wenn nicht mit dem Auto. Sollen die sich einen Parkplatz mieten? Ich weiß, dass es einige Beschäftigte gibt, die bereit wären eine Parkplatzgebühr zu zahlen, wenn sie sicher sein können, dass sie auch einen in der Nähe ihres Arbeitsplatzes bekämen.

Im Personalrat denken wir darüber nach, ob ein Park-and-ride-System helfen könnte. Ich weiß, Sie vom Umweltmanagement wollen, dass noch mehr Leute mit dem Fahrrad kommen. Doch der Zustand der Fahrradabstellmöglichkeiten ist katastrophal, es gibt viel zu wenige und die die da sind, stehen viel zu eng. Da macht man sich ja jedes Fahrrad kaputt. Und wenn man von weiter weg kommt, macht es Sinn mit einem E-Bike zu fahren. Das würde ich niemals draußen stehen lassen. Wo gibt es abschließbare Fahrradabstellmöglichkeiten? Wenn es so etwas an der Uni gäbe, würde ich sogar etwas dafür bezahlen. Ach ja, und was ist, wenn ich völlig durchgeschwitzt vom Fahrradfahren hier ankomme, kann ich nirgendwo in Ruhe duschen. Also, um Leute wirklich weg vom Auto zu bekommen, müssen sowohl die Busverbindungen als auch das Fahrradfahren attraktiver werden.

klik 2030: Bevor Sie als Vorsitzende des Personalrats von Ihrer eigentlichen Tätigkeit freigestellt wurden, haben Sie in Laboren gearbeitet. Gibt es Ihrer Erfahrung nach in diesen Bereichen Möglichkeiten mehr für den Umwelt- und Klimaschutz zu tun?

Frau Gier: Ja, ich hatte zu Anfang schon erwähnt, dass Umwelt- und Gesundheitsschutz in den Laboren in den vergangenen Jahren immer präsenter und besser wurde – ich habe ja den Vergleich zu früher. Aber man muss dranbleiben. Ich denke bei den Kühlsystemen gibt es noch eine Menge Optimierungsmöglichkeiten. Nicht nur die Technik, zum Teil sind es sehr alte Geräte oder Kühlzellen. Ich denke auch an die Altlasten. Ich möchte nicht wissen, wieviel altes Zeug in den Kühlräumen, -schränken und -truhen liegt. Sicher ist einiges darin schon zersetzt und unbrauchbar. Das müsste aussortiert und entsorgt werden.

klik 2030: Kann die Universität Ihrer Meinung nach etwas tun, das sowohl den Beschäftigten der Universität als auch dem Umwelt- und Klimaschutz zugutekommt? Was wäre das?

Frau Gier: Na ja, mehr überdachte und abschließbare Fahrradabstellmöglichkeiten, am liebsten noch mit Duschmöglichkeiten. Und wenn es dann wirklich etwas kostet, dann sollte auch das Autoparken etwas kosten, allerdings nach Einkommen gestaffelt, sonst wäre das unfair gegenüber denen, die sich umweltfreundlich verhalten.

Ich weiß, die Uni hat schon einige Erfolge vorzuweisen, besonders beim Energiesparen. Dennoch gibt es weitere Themen. Da wäre z.B. der Müll. Kann man nicht die Läden auf dem Campusgelände vertraglich verpflichten, auf Einwegverpackungen soweit es geht zu verzichten? Mich ärgern auch die kleinen Werbegeschenke, sogar die von klik. Ein Stück Traubenzucker in Plastik, das passt nicht zum Umweltmanagement. Oder die Pressestelle verschenkt ein Stück Schokolade in Papier, Studentenfutter in kleinen Tütchen, tut das wirklich Not? Dann gibt es die Plastikkugelschreiber, die Regenumhänge und natürlich die vielen Werbezeitungen und Flyer. Da müsste man etwas bewusster mit umgehen. Ich versuche persönlich seit einiger Zeit Plastik zu vermeiden, beim Obst- und Gemüseeinkauf, beim Shampoo usw. Ich merke wie mühselig das ist. Doch wir sollten nicht nachlassen unsere Umwelt zu schützen, das sind wir unseren Kindern und Enkelkindern schuldig.

klik 2030: Frau Gier, ich danke Ihnen für das interessante Gespräch.

Das Interview führte Dr. Norbert Kopytziok, klik 2030 - Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Juli 2018