klik – klima konzept 2030

Prof. Dr. Natascha Oppelt

Interview

„Um effektiven Klimaschutz betreiben zu können, ist ein gewisses Maß an naturwissenschaftlichem Grundlagenwissen unabdingbar.“

Prof. Oppelt

Professorin Dr. Natascha Oppelt ist Physische Geografin und leitet die Arbeitsgruppe Earth Observation and Modelling am Geographischen Institut der Universität Kiel. Zum Zeitpunkt des Interviews war sie noch Dekanin der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät (Amtszeit Juli 2016 bis Juli 2018). 2017 war sie mit an Bord des Forschungsschiffs Polarstern, das mit einer Eisscholle in der zentralen Arktis gedriftet ist (mehr dazu in unizeit Nr. 94 vom 31.3.2018, S.2).

klik 2030: Frau Professor Oppelt, als Physische Geografin beteiligen Sie sich u.a. an den optischen Vermessungen der Eisschmelze in der Arktis. Welchen Erkenntnisgewinn erwarten Sie sich dadurch?

Prof.in Oppelt: Ich arbeite im Bereich der Entwicklung von fernerkundungsbasierten Anwendungen für Nutzer unterschiedlichster Fachbereiche. Das Monitoring von Schmelzwassertümpeln ist nur ein Beispiel. Die Arktis ist ein Hotspot des Klimawandels, da die Erhöhung der Temperaturen ein Vielfaches des globalen Durchschnittes ist. D.h. die Arktis erwärmt sich stärker als der Rest, was zu höheren Schmelzraten während des Nordsommers führt. Man geht daher davon aus, dass Schmelzprozesse (und Schmelzwassertümpel sind ein Indiz dafür) früher und verstärkt auftreten. Die Wasserkörper haben eine deutlich niedrigere Albedo als Eis und Schneeflächen, d.h. das System Meereis erwärmt sich durch die Tümpel noch mehr. Man hat aber nur punktuell Einblicke, es fehlt der synoptische Blick auf den Prozess der Tümpelbildung und deren Verteilung. Wie erwähnt sind die Tümpel relevant für den Energiehaushalt der Arktis und damit für Austauschprozesse zwischen Eis- und Atmosphäre. Man weiß, dass Klimamodelle die Situation deutlich unterschätzen. Zudem gehen Biologen davon aus, dass sich unter sich verändernden Licht- und Wasserverhältnissen das Ökosystem verändert. Wir wollen daher ein satellitenbasiertes Monitoring vom Arktischen Meereis ermöglichen, da kaum kohärente, großflächige Messdaten über diesen Raum existieren.

Neben meiner Arbeit in der Arktis entwickelt meine Gruppe aber auch Anwendungen im Bereich Landwirtschaft (Versicherungsprodukte für Ernteausfälle), den Zusammenhang zwischen sich ändernder Landnutzung und Ökosystemdienstleistungen in Deutschland, Südostasien und Lateinamerika oder aber auch zur Einschätzung der Wasserqualität in Seen oder in Küstengewässern. Diesen Bereichen gemeinsam ist, dass mit Hilfe der Fernerkundung wiederkehrende Messungen von Umweltparametern über größere Räume hinweg möglich sind.

klik 2030: Lassen Sie Ihre umwelt- und klimaschutzrelevanten Erkenntnisse in die Lehre einfließen? Wenn ja, in welchen Studienangeboten?

Prof.in Oppelt: Ja, und zwar v.a. in den Master-Programmen der School of Sustainability (Umweltgeographie und -management, Sustainability, Society and the Environment, Environmental Management). Ich biete z.B. Kurse im Bereich Anwendungsbereiche der Fernerkundung und der Kombination von Fernerkundungsdaten und Modellansätzen an. So kann die Methodik der Fernerkundung mit einer Diskussion über Ursachen von beobachteten Veränderungen oder Vorhersagen getroffen werden. Ein Beispiel dafür ist die Detektion von Algenblüten in der Nordsee und der Diskussion der Auswirkungen auf Ökosystem, Tourismus, Gesundheit, Fischerei etc.

klik 2030: Wie reagieren die Studierenden darauf?

Prof.in Oppelt: Zweigeteilt: Auf der einen Seite sind diese stark anwendungsbezogenen Angebote sehr interessant für die internationale Studierendenschaft der Master. Auf der anderen Seite muss ich auf ein Grundgerüst von physikalischem Grundwissen aufbauen, welches auf manche Studierende der integrativen Studiengänge manchmal abschreckend wirkt.

klik 2030: Sie, Frau Oppelt, sind Dekanin der Naturwissenschaftlichen Fakultät der CAU. Diese Fakultät hat die meisten Studierenden der CAU und ist aufgrund der zahlreichen Labore auch die Fakultät mit dem höchsten Energieverbrauch – sowohl absolut als auch relativ gesehen. Wo sehen Sie effektive Ansatzstellen, um die Umweltauswirkungen Ihrer Fakultät zu reduzieren?

Prof.in Oppelt: Die Labore und die technische Ausstattung sind für den Energieverbrauch der Fakultät sicherlich eine Herausforderung. Hier sind v.a. zwei Sektionen betroffen, und zwar die Biologie und die Chemie. Ansatzstellen zur Reduktion des Stromverbrauches wären sicherlich zum einen der Austausch alter Geräte durch neue, stromsparende Geräte. Dies würde jedoch erhebliche finanzielle Aufwendungen mit sich bringen, die für die Fakultät kaum aufzubringen sind. Zudem muss die Effizienz eines Austausches von Geräten im Vorfeld überprüft werden.

Stromfresser sind z.B. die Klimakammern der Biologie, in denen alle Klimazonen der Welt simuliert werden können. Obwohl sie im vergangenen Jahr modernisiert wurden, haben sie einen erheblichen Energiebedarf. Und da gibt es die Kühlschränke, von denen einige bei minus 80⁰C laufen. Vor allem die alten, z.T. 20 Jahre alten Geräte sind echte Energiefresser. Es würde Sinn machen, einige dieser Geräte gegen moderne energieeffektive Geräte auszutauschen. Doch es stellt sich die Frage, wer zahlt?

Große Probleme haben wir z.B. mit der Amöbe (Zentrum für Molekulare Biowissenschaften). Das Gebäude ist komplett auf ein Niveau für Laboreinheiten klimatisiert, auch die Büros. Das hat zur Folge, dass viele Beschäftigte über Atemwegsbeschwerden klagen. Das Gebäudemanagement hält keine baulichen Veränderungen für möglich. Das ist ein architektonisches Desaster. Aus diesem Grund müssen manchmal Büros gelüftet werden, obwohl sie klimatisiert werden, um darin arbeiten zu können. Und dann gibt es noch energieintensive Laborgeräte. Beispielsweise brauchen Elektronenmikroskope viel Strom, da die Vakuumpumpen permanent laufen müssen. Auch in den Laboren zur Sequenzierung wird viel Strom benötigt, da die Sequenziergeräte auf extrem niedrige Luftfeuchten reguliert werden müssen. Damit muss man aber in solchen Forschungseinheiten rechnen.

Es gibt bestimmt noch einige Einsparmöglichkeiten. Sicher lassen sich an der ein oder anderen Stelle LED-Leuchtsysteme einsetzen. Die Ausstattung mit Stromsparleisten könnte was bringen, oder auch Bewegungsmelder in den Durchgangsbereichen wie Flure oder Toiletten. Und schließlich könnten die Arbeitsplätze mit energieeffizienten Monitoren ausgestattet werden.

Generell sollten neue Geräte nicht nur nach dem Anschaffungspreis beschafft werden. Schließlich erlaubt die Beschaffungsrichtlinie der CAU die Beschaffung nach dem Lebenszykluskostenprinzip. So ist es möglich, dass energie-effiziente Geräte mit einem hohen Anschaffungspreis unter einer Gesamtbetrachtung günstiger sind, als Billiggeräte.

klik 2030: Nach Einschätzungen von klik zählt die CAU zu den umweltfreundlichsten Universitäten in Deutschland. Was glauben Sie, wie bedeutsam ist das für die Außenwirkung der Universität?

Prof.in Oppelt: Ich habe das Gefühl, dass das Außen gar nicht bekannt ist. Bei entsprechender Vermarktung könnte dies aber durchaus ein positiver Fakt für Außenwirkungen sein.

klik 2030: Frau Oppelt, ich danke Ihnen für das interessante Gespräch.

Das Interview führte Dr. Norbert Kopytziok, klik 2030 - Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Juni 2018