klik – klima konzept 2030

Dr. Vesa Arponen

Dozent an der philosophischen Fakultät

Interview

"Wir sollten gemeinsam versuchen Probleme zu verstehen und zu lernen was man machen kann."

Dr. Vesa Arponen

Dr. Vesa Petri Juhani Arponen ist Dozent an der philosophischen Fakultät der Universität Kiel und forscht im Bereich Philosophie und Ethik der Umwelt. Er wurde in Finnland geboren, absolvierte dann das Studium an der University of Edinburgh, Schottland. Seit 2013 ist er an der CAU. Zuerst als Postdoctoral Researcher im Exzellenz-Cluster Graduate School "Human Development in Landscapes", jetzt im Sonderforschungsbereich "Scales of Transformation". In beiden Stellen ging und geht es darum, zusammen mit den Kieler Archäologen die Arbeit der Interpretation der archäologischen Daten durch theoretische, philosophische Einsätze zu verstärken und zu vertiefen.

klik 2030: Herr Arponen, Sie haben eine Doktorarbeit darüber geschrieben warum Menschen nicht nachhaltiger handeln. Sie schreiben darin, dass Umweltprobleme nicht effektiv gelöst werden können, indem man versucht unsere Einstellung zur Natur zu verändern. Wie können Umweltprobleme denn dann gelöst werden?

Dr. Arponen: Das ist die schwierige Frage und ich habe da auch keine richtige Antwort. Es ging in dieser Arbeit primär darum darzustellen, wie in der Literatur über Umweltprobleme und das menschliche Naturverhältnis diskutiert wird. Es ist natürlich enttäuschend, dass man da keine Lösung anbieten kann. Ich denke, dass es das große Problem ist, dass wir eben bis heute keine Lösungen haben. Wir verursachen diese Umweltprobleme durch unser Handeln in der globalen Industriegesellschaft und sind abhängig von diesem System, das mittlerweile so groß und überall reingewachsen ist, so dass wir da nicht mehr rauskommen. Das ist das große Problem und was macht man damit?

klik 2030: Warum sagen Sie, dass wir keine Lösung haben? Lösungsansätze gibt es ja genügend. Es gibt ja unterschiedliche Ansätze, die den Kapitalismus ergänzen oder gar ersetzen sollen. Dann gibt es aber auch auf der Mikroebene Nachhaltigkeitslabels etc.

Dr. Arponen: Ich möchte jetzt auch nicht, dass es hier so rüberkommt, dass ich ein großer Skeptiker bin aber mir ist zumindest durch diese Analyse klar geworden, wie schwierig das ist. Spätestens seit den 1980er Jahren und dem Brundtland-Bericht wissen wir von den Umweltproblemen und deren Folgen und seitdem ist da, im großen Sinne, eigentlich fast nichts passiert. Irgendwie wird es wahrscheinlich weitergehen und man versucht durch Projekte wie klik und die verschiedenen Umweltbewegungen, die Probleme zu lösen. Mal sehen was passiert.

klik 2030: Können da Universitäten einen Ansatz liefern?

Dr. Arponen: Es genügt wahrscheinlich nicht, wenn Individuen allein etwas machen. Lösungen müssen auf einer Ebene wie der EU oder eben auch an den Unis umgesetzt werden. Auf der Uni-Ebene müssen wir anfangen, insbesondere in der Arbeit als Forscher aber vor allem als Lehrerende. Ich finde es wichtig, dass die Universität diese Denkweise, dass es da ein Problem gibt, weitergibt und dass wir gemeinsam versuchen das zu verstehen und zu lernen was man machen kann.

klik 2030: Spielt denn der Umweltschutz bei den Philosophen an der CAU eine Rolle? Wird in diese Richtung geforscht?

Dr. Arponen: Natürlich spielen bei Konrad Ott Nachhaltigkeit und Umweltethik schon länger eine Rolle. In meiner täglichen Arbeit habe ich allerdings mehr mit den Archäologen zu tun. Da ist so etwas wie Umweltschutz eigentlich nicht zentral. Aber andererseits liegt ein Schwerpunkt in der Archäologie an der CAU bei Human Development in Landscapes und dem menschlichen Naturverhältnis. In der Archäologie geht es natürlich auch um Naturschutz aber es geht eher darum zu verstehen woraus denn das menschliche Naturverhältnis besteht, eben anhand von archäologischen Kenntnissen.

klik 2030: Was ist da Ihre Meinung? Haben wir Menschen überhaupt einen Bezug zur Natur?

Dr. Arponen: In meinen Veröffentlichungen behaupte ich, dass das menschliche Naturverhältnis eigentlich indirekt ist. Ein direktes Verhältnis wäre, wenn ich zum Beispiel mein Essen jagen würde. In meinem Fall und natürlich im Fall von vielen anderen ist das natürlich nicht so. Es ist eben indirektes Verhältnis. Unsere Lebensmittel werden ganz woanders industriell produziert, sie werden im Flugzeug zu uns transportiert und dann in Supermärkten verkauft. Das ist teilweise auch das Problem; dass wir in einer Welt leben, die wenig mit Natur zu tun hat und wir eigentlich gar nicht wissen welche Auswirkungen wir durch diesen indirekten Handel haben.

klik 2030: Also müssen wir doch unsere Einstellung zur Natur verändern um die Umweltprobleme lösen zu können?

Dr. Arponen: Meine These ist einerseits, dass es um das sozio-ökonomisches System geht, dass wir dieses System ändern müssen. Ich denke andererseits aber schon, dass es auch wichtig ist, dass wir auf individueller Ebene ein Naturverhältnis entwickeln. Dass wir vielleicht Schrebergärten haben, so dass wir ein bisschen erfahren wie es ist von einem Jahr zum anderen zu leben mit den Vögeln und Bienen und dass wir andererseits auch Zeit in der Natur oder in der Umwelt verbringen, beispielsweise indem wir wandern gehen.

klik 2030: Was meinen Sie, was die CAU denn in Sachen Klimaschutz besser machen kann?

Dr. Arponen: Ich habe da eigentlich keine wirkliche Vorstellung. Gegenfrage: Habt ihr da eine bei klik? Was macht ihr denn eigentlich so?

klik 2030: Klar haben wir die! Seit 2012 betreibt die CAU ein professionelles Umweltmanagement. Das hat zur Folge, dass die Treibhausgasemissionen, die die CAU zu verantworten hat, nach und nach sinken. Wo machen wir viel in Richtung Energie sparen, zum Beispiel durch die Einrichtung von automatischen Lichtschaltern aber auch kleine Maßnahmen wie den Stand-by-Schalter auszuschalten. Das Interessante an der Uni ist, dass kleine Maßnahmen schon einen großen Effekt haben, weil hier so unheimlich viele Menschen sind.

Dr. Arponen: Die Maßnahmen, die ihr da nennt, haben ja auch viel mit der ökologischen Modernisierung zu tun – Vorsprung durch Technik. Durch Technik werden wir wahrscheinlich irgendwie umweltfreundlicher und unser Abdruck ist wahrscheinlich etwas niedriger aber gleichzeitig bauen wir unsere Technologieabhängigkeit weiter aus und denken auch dabei eigentlich implizit, dass mehr Technologie die Lösung ist. Es wird da immer wieder gesagt, dass die Klimaveränderung auch eine Chance ist. Damit ist aber eigentlich gemeint, dass Deutschland oder wer auch immer da als der Innovator jetzt rauskommen kann, der die besten Solarmodule oder die besten automatischen Lichtschalter baut. In den Medien werden oft Dinge als Lösungen dargestellt, die aber nur ein „more of the same“ sind. Ob das dann die Lösung ist, weiß ich nicht. Menschen wollen ja Lösungen haben, für die sie ihr Verhalten nicht ändern müssen. Die einzige Lösung, die uns dabei einfällt, ist die ökologische Modernisierung. Die Lösung müsste eigentlich sein uns irgendwie runterzuschrauben aber das ist schwierig.

Das Interview führte Philipp Walter, klik 2030 - Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
März 2019