klik – klima konzept 2030

Claudia Ricarda Meyer

Interview

„Als Universität sind wir gesellschaftlich dazu verpflichtet Ressourcen zu schonen […]. Als große öffentliche Einrichtung sind wir verpflichtet mit gutem Beispiel voranzugehen.“

Claudia Ricarda Meyer

Claudia Ricarda Meyer ist seit Mai 2017 Kanzlerin der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Zu ihren Hauptaufgaben als Kanzlerin gehören die baulichen Maßnahmen und Sanierungen, sowie die Exzellenzstrategie der Universität Kiel. Zudem leitet sie den Arbeitskreis Umweltmanagement an der Universität Kiel.

klik 2030: Als Kanzlerin der Universität Kiel haben Sie ein sehr breites Aufgabenspektrum und Einblick in verschiedene Bereiche. Was ist Ihre Einschätzung, welchen (Stellen-)wert hat der Umwelt- und Klimaschutz an der Universität Kiel?

Frau Meyer: Umwelt- und Klimaschutz haben eine breite Verankerung an der Kieler Universität und leben davon, dass es an der CAU so viele Menschen gibt, die sich für dieses Thema engagieren. In verschiedenen Bereichen wie Forschung, Lehre und der Verwaltung sorgen diese Menschen dafür, dass Umwelt- und Klimaschutz auch im Universitäts-Alltag verankert ist. Vor allem die Studierenden sind extrem engagiert. Ohne dieses Engagement würde vieles nicht gehen, das ist immens wichtig. Als Kanzlerin bin ich verantwortlich für verschiedene Bereiche. Besonders für die Infrastruktur, und Umwelt- und Klimaschutz haben schon deswegen einen hohen Stellenwert, da es um Ressourcen geht. Als große öffentliche Einrichtung sind wir verpflichtet, mit gutem Beispiel voranzugehen und uns bewusst zu machen, welche Auswirkungen und Wirkung unser Handeln in die Gesellschaft hinein hat. Klimaschutz sollte technisch wie auch inhaltlich umgesetzt werden.

klik 2030: Seit einiger Zeit wird das Thema Abfallvermeidung mehr und mehr präsent an der Uni Kiel, es gibt bereits eine Abfallanalyse sowie ein Abfallvermeidungskonzept, um die Abfallmenge zu reduzieren. Auch die Stadt Kiel arbeitet an diesem Thema und möchte erste Zero Waste City Deutschlands werden. Wäre eine Kooperation zwischen der Stadt Kiel, bürgerlichen Engagements und der Uni Kiel Ihrer Meinung nach denkbar und sinnvoll?

Frau Meyer: Ich glaube, dass gerade Abfallvermeidung ein Thema ist, bei dem wir als Uni viel tun können. Beispielsweise in unseren Büros und sanitären Anlagen können wir einiges an Papier oder Papierhandtüchern sparen, da gibt es ja bereits Maßnahmen und Erfolge an der Uni Kiel. Wir sind als Universität mit unseren Campi aber auch ein Teil der Stadt. Wirksame Abfallvermeidung kann nur als gemeinsame Anstrengung mit unseren Nachbarn gelingen, Kooperation ist hier absolut sinnvoll und notwendig.

klik 2030: Die Uni Kiel engagiert sich in einigen Bereichen wie dem Umweltmanagement und der Abfallvermeidung schon vorbildlich. Die CAU ist aber noch kein Mitglied des Netzwerkes Hoch N, dessen Ziel es ist die nachhaltige Entwicklung an Hochschulen voranzutreiben. Könnte das ein Ansatzpunkt für die Uni Kiel sein von anderen Hochschulen zu lernen und auch die eigenen Kenntnisse zu teilen?

Frau Meyer: Grundsätzlich profitieren wir immer von Netzwerken, vom Austausch mit anderen, die auch an solchen Themen arbeiten. Das Netzwerk Hoch N wurde kürzlich im Arbeitskreis Umweltmanagement vorgestellt und wir wollen bis zum nächsten Treffen nötige und mögliche Inhalte, Ziele und Aktivitäten für die Kieler Universität dort näher diskutieren. Auf der Grundlage müssen wir dann entscheiden, ob die Mitgliedschaft konkret förderlich ist.

Die Kieler Universität erfährt schon viel Aufmerksamkeit für ihre Aktivitäten im Umwelt- und Klimaschutz, gerade mit dem Koordinationsbüro für Klimaaktivitäten klik, unserem betrieblichen Umweltmanagement, und vielen einzelnen, studentischen Engagements. Es wäre aber gut, uns stärker mit anderen Akteuren zu vernetzen und das Engagement noch sichtbarer zu machen.

klik 2030: Eine Herausforderung in Ihrer Amtszeit ist die umfangreiche Sanierung einiger universitärer Gebäude. Die Universität hält sich an BNB Standards (Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude). Was bringt Ihrer Meinung nach, das nachhaltige Bauen für die Universität Kiel?

Frau Meyer: Es bringt aus verschiedenen Gründen etwas. Die konkreten Arbeitsbedingungen in den Büros oder Laboren werden bereits in der Planungsphase noch einmal stärker in den Blick genommen und bei der Auswahl von Baustoffen oder Belüftung, aber auch im Hinblick auf Arbeitssicherheit berücksichtigt. Persönlich ist mir sehr wichtig, dass man nicht nur die eigentliche Errichtung des Gebäudes betrachtet, sondern eben in dieser Phase auch schon den späteren Betrieb mit einbezieht und die Effekte und Auswirkungen bedenkt. Die Uni hat sich aktiv für die BNB-Standards eingesetzt und diese Extramaßnahmen und Auflagen z.T. mitfinanziert, da uns dieser Aspekt sehr wichtig ist.

klik 2030: Welche Rolle spielt Mobilität in der Infrastrukturplanung und den neuen Sanierungsmaßnahmen?

Frau Meyer: Die Universität Kiel hat in der Infrastrukturplanung auch ein Mobilitätskonzept. Z.B. werden bei allen Neubau- und großen Sanierungsmaßnahmen mehr und z.T. überdachte Fahrradstellplätze errichtet. Im Neubau des Juridicum-Gebäudes werden beispielsweise zudem (Fahrradfahrer-)Duschen entstehen, um Universitätsmitarbeitern, die auch längere Strecken fahren, die Möglichkeit zu geben zu duschen. Wir hoffen, damit eine zusätzliche Motivation zu schaffen, mit dem Rad zur Arbeit zu kommen. Außerdem sind für das neue Parkhaus der Mensa II Ladesäulen für Autos und Fahrräder geplant.

klik 2030: Wenn Sie sich etwas in Bezug auf Nachhaltigkeit an der Universität wünschen könnten, was wäre das?

Frau Meyer: Mein Wunsch wäre, dass wir in die Lage versetzt werden – sowohl finanziell als auch in Bezug auf die Einbeziehung in Planungsprozesse für Neubauten und Sanierungen - diese Nachhaltigkeit in Bau und Betrieb auch sicherzustellen. Der an der CAU bestehende Sanierungs- und Neubaubedarf ist leider auch das Ergebnis fehlender kontinuierlicher Unterhaltung der Gebäude in den letzten Jahrzehnten, da dafür das Geld fehlte. Einige Gebäude können jetzt nur noch abgerissen und neu gebaut werden, was wenig nachhaltig ist. Eine langfristigere Denk- und Umgangsweise würde ich mir da wünschen. Ich hoffe daher, dass wir jetzt nicht alles neu bauen und in ein paar Jahrzenten wieder am gleichen Punkt stehen, weil in der Zwischenzeit nichts passiert ist. Da müssen wir kontinuierlich dran bleiben, um die Bausubstanz erhalten zu können.

Und im Ganzen betrachtet hoffe ich, dass sich das teilweise graswurzelartige Engagement im Bereich Nachhaltigkeit an der Uni Kiel weiter fortsetzt und dass es weiterhin und verstärkt von engagierten Menschen getragen wird. Eine große Herausforderung ist es, Nachhaltigkeit in der Forschung und Lehre zu verankern, da kann man nichts verordnen, das muss wachsen und sich entwickeln und an geeigneten Stellen müssen Impulse gesetzt werden.

Das Interview führte Chantal Zinke, klik 2030 - Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Juni 2019