klik – klima konzept 2030

Anneke Schaardt

Doktorandin am Geographischen Institut

Interview

„Wenn Studierende so wahrgenommen werden, dass sie die Welt selbst mitgestalten können, werden sie zu aktiven Gestalter*innen der Welt.“

Anneke Schaardt

Seit 2019 promoviert Anneke Schaardt innerhalb der AG Geomedien des Geographischen Instituts. Gleichzeitig ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin in dem innovationsorientierenden Netzwerk Start-up SH und setzt sich für praxisorientiertere Lehre und die Befähigung von Studierenden ein, selber Lösungsansätze für sozial-ökologische Problemstellungen zu entwickeln und zu erproben.

klik 2030: Anneke, du hast gerade deine Doktorandenstelle begonnen. Mit welchem Thema beschäftigst du dich?

Anneke Schaardt: Während meiner Doktorandenzeit möchte ich genauer untersuchen, wie Studierende dazu befähigt werden können aktive Mitgestalter*innen der Gesellschaft zu werden. Wie ist es möglich, Studierende zu befähigen, selber Teil der sozial-ökologischen Transformationen zu werden, um selber eigene Projekte zu entwickeln und umzusetzen. Im Großen und Ganzen geht es auch um die Rolle der Universität in der heutigen Zeit und um innovative Lehrmethoden, die über Wissensvermittlung hinausgehen. Denn nur, wenn Studierende so wahrgenommen werden, dass sie die Welt selbst mitgestalten können, werden sie zu aktiven Gestalter*innen der Welt.

Deshalb schaue ich mir auch an, was für Wissen es überhaupt gibt. Wissen besteht nicht nur aus Fachwissen, sondern auch aus einem Teil, welcher nicht immer so leicht abfragbar ist und welches den Personen selber manchmal gar nicht bewusst ist, wie zum Beispiel bestimmte Wertvorstellungen oder Weltanschauungen. Dazu beeinflussen die tieferen Lagen von Wissen unser Fühlen, Denken und Handeln, auch wenn wir uns dessen nicht immer bewusst sind.

An der Universität geht es oftmals vor allem um die Vermittlung von bestimmten Theorien und Informationen. Dabei wird das tiefer liegende Wissen von Studierenden nicht berücksichtigt. Ich interessiere mich daher dafür, wie Lehre ganzheitlicher gestaltet werden kann. Es soll nicht nur um das Anreichern von Wissen gehen, sondern viel stärker um das Hinterfragen und evtl. Verändern des bereits bestehenden Wissens.

Darüber hinaus steht die Frage im Fokus, wie Studierende dazu befähigt werden können, eine aktive Rolle in der Gesellschaft zu übernehmen und sich als Mitgestalter*in der Gesellschaft zu sehen.

klik 2030: Was ist das Besondere an der School of Sustainability?

Anneke Schaardt: In der School of Sustainability geht es sehr stark um praktische Kompetenzen und um Empowerment. Wie kann ich aktiv dazu beitragen, dass sich die derzeitigen Situationen verändern und ich selbst in der Gesellschaft Verantwortung übernehme? Im Rahmen des yooweedoo[1] changemaker Kurses können Studierende selber Projekte im sozial-ökologischen Bereich entwickeln und auch umsetzen. Hier geht es um viel mehr als nur theoretisches Wissen. Ich glaube, dass an Universitäten heutzutage auch Lösungen für bestimmte gesellschaftliche Probleme entwickelt werden sollten und das nicht nur in der Forschung, sondern auch gemeinsam mit Studierenden.

klik 2030: Du bist Partnerin für eine Hochschullandschaft im Hoch-N Projekt. Wie bist du dort involviert?

Anneke Schaardt: Innerhalb des Projekts Hoch-N, welches vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gestartet wurde, geht es darum, das Thema Nachhaltigkeit mehr an Hochschulen zu bringen. Dies bedeutet, dass bestimmte Themen der Nachhaltigkeit in den Bereichen: Forschung, Lehre und Betrieb systematisch platziert werden. Ich setze mich vor allem im Bereich der Lehre für die Vernetzung mit anderen Hochschulen ein. Denn oftmals ist man an Hochschulen noch recht allein, wenn man sich mit dem Thema der Nachhaltigkeit beschäftigt. Durch die Vernetzungstreffen kann man sich austauschen, von einander lernen und gucken, wie es woanders funktioniert und was man selber davon übernehmen kann. Das Ziel ist, dass Nachhaltigkeit nicht immer so stiefmütterlich behandelt wird und immer als „Plus“ verstanden wird, wenn man noch Gelder hat. Es soll von vorn herein in den verschiedenen Bereichen der Hochschule mitgedacht werden. Im Rahmen des Projektes wurden hierfür Leitfäden entwickelt, welche nun für ein Jahr an unterschiedlichen Hochschulen getestet werden.

klik 2030: Welche Rollen sollten Hochschulen beim Umwelt- und Klimaschutz übernehmen?

Anneke Schaardt: Hochschulen sollten eine Ausprobierrolle haben, in der sie bestimmte Methoden und Themen testen. Diese Rolle sollte nicht nur hochschulintern praktiziert werden, sondern möglichst in Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Akteuren, wie der Stadt und der Politik. Dann können Hochschulen auch eine Vorreiterrolle einnehmen, um bestimmte Sachen auszuprobieren, wie zum Beispiel Energieeinsparungen. Auch bei der Beschaffung und der Vergabe von Aufträgen sollten Nachhaltigkeitsaspekte mitbedacht werden. Es sollte nicht nur nach dem Preis geguckt werden, sondern auch was gut für die Region ist.

klik 2030: Hast du noch einen bestimmten Wunsch für die Zukunft der CAU?

Anneke Schaardt: Die CAU ist eine große Uni und hat deswegen im Land Schleswig-Holstein und in der Stadt Kiel eine große Ausstrahlkraft. Diese Position sollte sie nutzen und mit gutem Beispiel vorangehen, um für Innovation und sozial-ökologischen Wandeln zu stehen. Die CAU hat eine sehr lange Geschichte. Dies kann ein Vorteil sein, weil auf eine lange Erfahrungsgeschichte zurückgeblickt werden kann. Gleichzeitig kann es aber auch die Schwierigkeiten bergen, dass aufgrund der langen Geschichte Veränderungen sehr lange brauchen und man an den alten Strukturen festhält. Ich wünsche der CAU daher Mut auch in die Zukunft zu schauen, nicht in alten Verhaltensmustern zu verharren, sondern Veränderungen aktiv mitzugestalten und auf den Weg zu bringen.

Das Interview führte Lisa Schill, klik 2030 - Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
März 2019

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 [1] yooweedoo.die zukunftmacher ist ein Projekt der Kiel School of Sustainability und der Zukunftsmacher UG (haftungsbeschränkt). yooweedoo unterstützt Zukunftmacher*innen bei der Planung und Dürchführung von sozial- und ökologischen Projekten, Organisationen und Unternehmen. Mehr Informationen unter www.yooweedoo.org